Das Wohnprojekt SIEBENHOF in Herzogenrath-Kohlscheid

Ursprünglich gab es drei Gründe, die uns zusammen gebracht und veranlasst haben, das Projekt Wohnhof zu planen und zu realisieren. Wir wollten

1. in einer verbindlichen Form mit anderen zusammen leben - ohne die konfliktträchtige Nähe einer gemeinsamem Haushaltsführung, wie wir sie aus Wohngemeinschaften kannten und auch ohne deren weitgehende Unverbindlichkeit,

2. dass unsere Kinder in einer größeren Gemeinschaft mit anderen Kindern und Familien gemeinsam aufwachsen,

3. soweit das mit unseren finanziellen Mitteln möglich war, nach ökologischen Prinzipien bauen und wohnen.

Auf dieser Grundlage entstand 1989-1990 der Siebenhof. Zwischen März 1990 und August 1990 zogen nach und nach die sieben Familien in ihre sieben siebeneckigen Häuser ein.

Das achte, unser Gemeinschaftshaus, nutzen wir seit jeher für gemeinsame Essen, Wohngruppensitzungen, Familienfeste, Parties, Gruppenaktivitäten, Kino- oder Bilderabende - alles, wofür es gut ist, einen großen gemeinsamen Raum zu haben.

Mittlerweile sind alle 15 Kinder erwachsen und wohnen nicht mehr hier. Das sowie zwei Eigentümerwechsel in den Jahren 2010 und 2013 haben es notwendig gemacht, uns als Gruppe neu zu definieren und mit der Frage auseinanderzusetzen, was wir voneinander und miteinander wollen und was uns wichtig ist.

In unserem Hof, so wie er gewachsen ist, mit diesen Leuten, in dieser Umgebung leben wir gerne, wir genießen diese Wohnform und dieses Umfeld täglich aufs Neue. Am wohlsten fühlen wir uns, wenn das Miteinander harmonisch ist. Dennoch scheuen wir uns nicht, Konflikte anzusprechen und auszutragen - gerne konstruktiv, das hat uns schon oft weiter geholfen.

Wir leben zusammen, ohne aufeinander zu glucken. Manches machen wir gemeinsam, aber jede und jeder geht auch seiner eigenen Wege. Persönlich und wirtschaftlich sind wir voneinander unabhängig, aber wir sind uns nicht egal. Wir versuchen, eine ausgewogene Balance zwischen Eigenständigkeit und Zusammengehörigkeit, zwischen füreinander da sein und voneinander unabhängig sein, hinzubekommen.

Im Laufe der Jahre hat sich eine Reihe von ritualisierten Gemeinsamkeiten entwickelt, die uns wichtig geworden sind und uns als Gruppe tragen. Dazu gehört, dass wir alle zwei Wochen samstags gemeinsam zu Mittag essen. Das tun wir seit Beginn unseres Hoflebens, damals noch wöchentlich und mit allen Kindern. Der jetzige zweiwöchentliche Rhythmus hat sich als sehr gut passend herausgestellt. Wenn jemand mal nicht dabei sein kann, ist das kein Problem. Allerdings versuchen wir, falls möglich, es so einzurichten, dass wir teilnehmen können.

Einmal im Jahr machen wir einen gemeinsamen eintägigen Ausflug. Ebenfalls einmal im Jahr veranstalten wir ein besonderes, meist festliches Essen - ursprünglich als Martinsessen im November, mittlerweile kann es auch zu einem anderen Zeitpunkt sein.

Unser seit einigen Jahren veranstaltetes gemeinsames Adventssingen hat sich dahingehend entwickelt, dass wir in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus ziehen und dort die jeweiligen Weihnachtsbäume mit einer Vielzahl an mehr oder weniger bekannten Weihnachtsliedern besingen.

Bisher haben wir alle fünf Jahre ein großes Hoffest veranstaltet, mit Zelt und Zapfanlage, Live-Musik und Disco und vielen, vielen Gästen. Ob wir das auch in Zukunft machen werden, entscheiden wir jeweils im Jahr, bevor es wieder soweit ist.

Kalle, unser Haus- und Hoffotograf, erstellt jedes Jahr einen Fotokalender, in dem Einzelheiten unseres Hoflebens wiedergegeben sind. Diese Kalender hat jede Familie bei sich im Haus hängen - damit wir immer daran erinnert werden, wie schön es bei uns ist.

Da, wo früher der große, siebeneckige Sandkasten war, ist heute ein kreisrund gepflasterter Platz, unser Mandala. Hier stehen mehrere Bänke und Stühle, es ist der Treffpunkt im Innenhof. Wer sich hier mit einem Kaffee oder Tee hinsetzt, ist innerhalb kurzer Zeit nicht mehr alleine. Hier entstehen viele kleine Alltagsbegegnungen, nette Gespräche, Anregungen und manche Pläne.

Wir verstehen uns als familienfreundlich. Immerhin war das Leben mit 15 Kindern über viele Jahre tragende Gemeinsamkeit im Hof, und auch heute noch nehmen wir natürlich regen Anteil an der weiteren Entwicklung "unserer" Kinder. Wie sich unser Selbstverständnis als familienfreundlicher Wohnhof in Zukunft konkretisiert, ist eine der spannenden Fragen, mit denen wir uns beschäftigen.

Alles, was unser Hofleben ausmacht, ist im Laufe der Jahre gewachsen. Wir verstehen dies als einen lebendigen Prozess, der sich immer wieder verändern und auch ergänzt werden kann - nicht als zu absolvierendes Programm. Es kann immer Gründe geben, an der einen oder anderen Aktivität nicht teilzunehmen, und das ist natürlich akzeptiert. Andererseits verbindet uns alle auch das Bedürfnis nach Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit. Dieses Wollen ist, was uns verbindet - wie es sich äußert, da sind wir sehr offen.

Rechtlich sind wir eine Eigentümergemeinschaft auf der Grundlage des Wohneigentumsgesetzes (WEG), unsere Häuser sind rechtlich betrachtet Wohnungen. Dafür haben wir eine notarielle Teilungserklärung abgeschlossen, die bereits auf unsere Absicht des Wohnens in einer Gruppe abgestimmt ist. Gleichzeitig sind wir eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Hierfür haben wir einen Gesellschaftsvertrag abgeschlossen. Um Miteigentümer im Siebenhof sein zu können, muss man Mitglied dieser Gesellschaft sein und den Vertrag akzeptieren.

Ein Bestandteil unserer vertraglichen Vereinbarung ist die Solidarhilfe. Darin haben sich die Gesellschafter verpflichtet zu helfen, wenn eine Mitgliedspartei in der Gesellschaft vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten gerät. So wollen wir mit dazu beitragen, dass niemand wegen vorübergehender wirtschaftlicher Probleme den Siebenhof verlassen muss. Eine dauerhafte Alimentierung ist die Solidarhilfe allerdings nicht.

Einige wesentliche Dinge sind Gemeinschaftseigentum, d.h. sie gehören allen und alle sind dafür gleichermaßen verantwortlich. Dazu gehört das Gemeinschaftshaus, die Heizungsanlage (ein Blockheizkraftwerk, ergänzt durch Brennwertkessel), die Regenwasserzisterne, der Rundumgang, das ungeteilte gemeinsame Grundstück, die Dächer. Um uns darum zu kümmern, führen wir alle 2 Monate einen Tag für Gemeinschaftsarbeiten durch, bei Bedarf gibt es dafür Zusatztermine. Manche zwischendurch anfallenden Arbeiten werden aber auch einfach so durchgeführt, in der Regel findet sich immer jemand, der tut, was notwendig ist.

Einmal im Monat treffen wir uns zu Wohngruppensitzungen. Hier werden alle die Gruppe und das Zusammenleben betreffenden Fragen besprochen und entschieden, Gruppenfragen ebenso wie bauliche oder organisatorische Dinge. Wir haben zwar Regeln darüber, bei welchen Entscheidungen welche Mehrheitsverhältnisse notwendig sind. In der Realität bemühen wir uns aber fast immer, einheitliche Beschlüsse herzustellen. Das führt mitunter zu längeren Diskussionen und Entscheidungsfindungen. Erschwert wird dieses Bemühen durch die Tatsache, dass ein bis zwei Parteien mitunter über längere Zeit auf Reisen sind. Die Herausforderung besteht darin, diese Parteien trotzdem einzubeziehen, andererseits aber entscheidungsfähig zu bleiben. Hier befinden wir uns gerade in einem Prozess der Optimierung. Insgesamt ist unsere Erfahrung, dass trotz mitunter langwieriger Diskussions- und Entscheidungswege die wesentlichen Dinge zum richtigen Zeitpunkt entschieden und getan werden.

ETG Siebenhof, Haus-Heyden-Straße 203, 52134 Herzogenrath

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